Apple zeigt Facebook mal kurz, wo in der App-Economy der Hammer hängt

Von Ralf Keuper

Diese Erfahrung dürfte neu für Facebook gewesen sein: Wegen Verstössen gegen die Apple-Hausordnung wurde Facebook die Unternehmens-Lizenz für die iOS-Testumgebung entzogen (Vgl. dazu: Gegen Facebooks Datengier greift Apple zu einer drastischen Maßnahme). Die Facebook-Entwickler konnten von dem Zeitpunkt an keine iOS-Testversionenen mehr verwenden. Facebook hatte zuvor an Apple vorbei eine Research-App auf den iPhones der (jugendlichen) Testpersonen platziert. Diese Art der Verteilung an externe Studienteilnehmer bewertete Apple als klaren Verstoss gegen seine Richtlinien (Vgl. dazu: Apple-Sperre sorgt für Chaos bei Facebook).

Nicht alle Kommentatoren sind über Apples Strafaktion begeistert, wie Casey Newton in Apple’s power over Facebook ought to worry the rest of us. Andere wiederum hoffen, dass Apple Facebook mit mehr oder weniger sanftem Druck dazu bringt, die Privatheit seiner Nutzer (mehr) zu respektieren (Vgl. dazu: Maybe Only Tim Cook Can Fix Facebook’s Privacy Problem). Der Vorfall zeige überdies, so Mike Isaac in Apple Shows Facebook Who Has the Power in an App Dispute, wo in der App-Economy der Hammer hängt: bei Apple. 

Insgesamt eine schönes Beispiel für das Phänomen der”App-Diktatur” wie sie Robert Tercek in seinem ausgesprochen lesenswerten Buch Vaporisiert. Solide Strategien für Erfolg in einer dematerialisierten Welt beschreibt. Zu den “Diktatoren” zählt neben Amazon und Google eben auch und vor allem Apple. Apple hat die “App-Diktatur” unter Steve Jobs mit dem iTunes-Store, dem iPod, dem App-Store und iOS begründet:

Das mobile Apple-Geschäft von iOS baut auf dem Abrechnungssystem von Apple iTunes auf, was Apple die Macht gibt, für alle verkauften Apps seine Annahmeregeln und Beschränkungen durchzusetzen. Für allen anderen besteht das Problem darin, dass iOS ein geschlossenes System ist. Jeder Softwareentwickler muss seine Arbeit erst dem Apple-Prüfkomitee zur Begutachtung vorlegen, .. . Wenn sich jemand nicht daran hält, kann Apple den Missetäter einfach ausschließen.

Nun ist Facebook nicht irgendein Missetäter. Facebook sorgt natürlich dafür, dass der Apple-Store große Anziehungskraft (“Klebewirkung”) hat. Warum sollte Apple einen der besten Unterstützter des eigenen Ökosystems auf Dauer ausschließen? Inzwischen hat Apple seinen Bann gegen  Facebook aufgehoben (Vgl. dazu: Apple restores Facebook’s enterprise certificate after revoking it for more than 24 hours).

Übrigens: Nicht nur Facebook hat gegen die Apple-Richtlinien verstossen, sondern auch Google. Google gab bekannt, in intensiven Gesprächen mit Apple zu stehen und ist zuversichtlich, dass “die Kuh schon bald vom Eis ist”.

Es handelt sich um eine kleine Machtdemonstration von Apple, die zeigen soll, wer die Regeln bestimmt. Abgesehen davon erkannte Apple womöglich eine günstige Gelegenheit, seine Forderungen, dass die Daten der Nutzer nicht gegen sie verwendet oder ohne ihr Wissen verwertet werden dürfen und Privatheit ein Grundrecht ist, zu untermaueren.

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