Wir brauchen eine Theorie der Umwelt, die weniger organisationszentriert ist

Wir brauchen eine Theorie der Umwelt, die weniger organisationszentriert ist, eine Theorie, in der die Aktionen und Ereignisse in der Umwelt wenig mit dem zu tun haben, was die Organisation tut. Umwelthandlungen müssen in vielen Fällen vom Standpunkt der Beziehung zwischen Ereignissen, Handlungsträgern und Strukturen in der Umwelt verstanden werden und nicht als Reaktion auf das, was die Organisation tut. Folglich wird dieselbe organisatorische Handlung zu verschiedenen Zeiten verschiedene Reaktionen zur Folge haben, und verschiedene organisatorische Handlungen werden dieselben Reaktionen zur Folge haben. Die Welt des Absurden ist für unser Verständnis organisationaler Phänomene manchmal relevanter als die Vorstellung einer engen Verbindung zwischen Handlung und Reaktion. Die Unabhängigkeit von Reaktion und Aktion wird durch unsere Tendenz unterstrichen, feine Abstufungen in beiden zu erklären zu versuchen. Organisationen agieren in von der Umwelt gesetzten Grenzen. Bei den seltenen Gelegenheiten, bei denen sie diese Grenzen verletzen, wird die Umwelt wahrscheinlich eindeutig reagieren. Die meiste Zeit ist allerdings der Verhaltensspielraum ziemlich klein; und innerhalb dieses Spielraums lässt sich nur ein geringer Teil der Variationen der Reaktionen den Variationen der Aktion zuschreiben. Insoweit wir Variationen im organisatorischen Verhalten in dem Spielraum erklären wollen, in dem wir es beobachten, werden wir eine Theorie brauchen, die lediglich die schwächere Verbindung zwischen Umweltreaktion und organisatorischer Entscheidung anerkennt.

Quelle: James March (Hrsg.): Organisation und Entscheidung.

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