Exploration and Exploitation in Organizational Learning (James G. March)

Quelle / Link: Exploration and Exploitation in Organziational Lerning (James G. March)

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Welterfolg mit Eierlikör: Die Verpoortens Doku (2018)

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Deutsche Wirtschaft trifft auf Plattformökonomie

Von Ralf Keuper

Es scheint so, als sei die deutsche Wirtschaft von der Plattformökonomie auf dem falschen Fuss erwischt worden. Bis heute haben die hiesigen Unternehmen den US-amerikanischen und asiatischen Technologiekonzernen wie Apple, Amazon, Samsung, Google oder Alibaba,  nichts Gleichwertiges entgegen zu setzen. Die Gefahr besteht, dass nach der Medienindustrie und den Banken auch Handel und Industrie in den Sog der großen digitalen Plattform geraten.

In Amazon erfindet den Firmeneinkauf neu und bedroht so kleinere Anbieter räumen die Autoren der deutschen Wirtschaft im B2B-Geschäft dennoch gute Chancen ein. Auf der Strecke würden Unternehmen bleiben, deren Marktstellung zu schwach ist, um an Plattformen wie Amazon Business vorbei zu kommen. Problematisch daran sei, dass den Zulieferern der direkte Kontakt zum Kunden verloren ginge. Trotzdem gebe es hierzulande einige Beispiele, die durchaus als Beleg dafür genommen werden können, dass die deutsche Wirtschaft in der Plattformökonomie nicht nur Zaungast ist, wie Crowdfox, Mapudo und Contorion. Der Wettbewerbs- und Größenvorteil von Amazon lasse sich nicht so ohne weiteres auf Branchen mit ihren jeweiligen Besonderheiten übertragen. So befinde sich der Schraubengroßhändler Würth nach wie vor in einer komfortablen Position, die auch von Amazon so schnell nicht gefährdet werden könne.

In Plattform-Wirtschaft made in Germany: Welche Firmen Amazon schlagen können – und wie argumentieren die Autoren ähnlich wie die Autoren des erstgenannten Beitrags.

Nun ja. Den Erfolgen stehen einige Beispiele gegenüber, die darauf schließen lassen, dass es mit der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in der Plattformökonomie doch nicht so weit her ist, wie das Handelsblatt und Focus suggerieren. Fairerweise muss man hinzufügen, dass die Beispiele des Handelsblatt sich B2B beschränken, wo die Erfolgsaussichten momentan noch vergleichsweise gut sind. Im B2C-Sektor ist die Ausgangslage nicht so günstig, wie der Fall von Zalando (Vgl. dazu: Der Aufstieg und Fall von Zalando: Der Berliner Online-Mode-Versender stürzt nach totalem Crash auf IPO-Niveau von 2014) zeigt. Gleiches gilt für Scout24, das vom Focus als Beispiel einer erfolgreichen Plattform genannt wird. Wie in Scout24 prüft Verkauf an Finanzinvestoren zu erfahren ist, erwägt das Unternehmen den Verkauf an Finanzinvestoren. Scout24 wurde vor drei Jahren von einem Finanzinvestor an die Börse gebracht. Seitdem befinden sich die Aktien zu 100% im Streubesitz. Nach einem erfolgreichen Gegenmodell zu Amazon & Co. klingt das jetzt nicht unbedingt.

Sicher – im Bereich B2B, der eigentlichen Domäne der deutschen Wirtschaft, ist die Schlacht noch nicht entschieden. Allerdings dehnen Amazon und Alibaba ihren Aktionsradius auch hier systematisch aus. Insofern wäre es fahrlässig zu glauben, das eigene Branchen- und Domänenwissen schütze vor dem Zugriff der Technologiekonzerne. Diese gehen für gewöhnlich stufenweise vor, wobei die höchste Abstraktionsebene die der Daten und Informationen ist. Von dort geht man systematisch herunter und nimmt dabei eine Branche nach der anderen ins Visier. Das B2B-Geschäft erscheint dabei naturgemäß erst relativ spät auf dem Radar. Es ist kaum vorstellbar, dass man bei Amazon überlegt, wie man denn Würth im Handel mit Schrauben verdrängen kann. Das würde zu einer Verzerrung führen, d.h. man würde sich zu sehr auf die Besonderheiten einer Branche oder gar eines Unternehmens einstellen. Das ist ja gerade das Erfolgsrezept von Amazon, dass es sich darauf gar nicht einlässt, sondern von einer anderen Seite, quasi von oben, an das Thema, die Branche heran geht, nachdem man die vor- und z.T. auch nachgelagerten Bereiche bereits annektiert hat. Der Maßstab ist schlicht ein anderer. Den digitalen Plattform kommt zugute, dass sie sowohl Skalen- wie auch Synergieeffekte realisieren können. Das Mittel dazu ist die Beherrschung der Software und der Datenaufbereitung über verschiedene Kommunikationskanäle und Branchen hinweg. Auf diese Weise verfügen Amazon & Co. über ein größeres, aussagekräftigeres Bild als ihre potenziellen Mitbewerber. Zwar stimmt es, dass sie in bestimmten Branchen nur selten an das tiefe Wissen der etablierten Unternehmen herankommen, nur kann dieses Wissen heutzutage relativ schnell mittels Künstlicher Intelligenz in Algorithmen übertragen werden. Was man dann selbst nicht kann oder auch nicht machen will, überlässt man Zulieferern, die sich in völliger Abhängigkeit von der jeweiligen Plattform befinden.

Eine Besserung ist erst in Sicht, wenn es den deutschen und europäischen Unternehmen gelingt, ein Mindestmaß an digitaler Souveränität zu erreichen. Ein Unternehmen, eine Branche alleine, wird es nicht schaffen. Ziel muss sein, den direkten Kontakt zum Kunden zu behalten. Was anderenfalls passiert, kann man am Beispiel der Medienindustrie und der Banken beobachten. Wir benötigen Infrastrukturen und offene Standards, die uns unabhängiger von den Systemen anderer machen, wie mit Open Source und Blockchain. Von größter Bedeutung ist die Frage, wie die Unternehmen ihre Daten und die digitalen Identitäten aus der Einflusssphäre von Amazon & Co. halten. Wenn diese Informationen, wie schon im B2C-Sektor geschehen, ebenfalls unter Kontrolle von Amazon & Co. fallen, dann sieht es auch im B2B-Bereich schlecht aus.

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New Work Agilität Holacracy – Analyse der neuen Managementkonzepte aus organisationswissenschaftlicher Perspektive

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“Sturm gegen den Stillstand” von James Dyson

Von Ralf Keuper

Auf seinem Weg zu einem der erfolgreichsten britischen Unternehmer der letzten Jahrzehnte musste James Dyson etliche Rückschläge hinnehmen. Dennoch hielt er unbeirrt an seiner Idee des Dual Cyclone, des beutellösen Staubsaugers fest. Dyson führt seinen Erfolg vor allem auf seine Zeit am Royal College of Art und die intensive Beschäftigung mit den Gedanken und Werken von Buckminster Fuller und Marc Brunel zurück. Ein weiteres Vorbild war Thomas Edison.

Eine Erfindung, die sowohl das Interesse der Industrie wecken als auch die Herzen der Konsumenten erwärmen soll, muss visuell zur jeweiligen Branche passen. Bei Brunel bringt die pure Ingenieurskunst das Design auf unvergleichliche Weise zur Geltung. Oberflächliche Effekthascherei wie Philippe Starck können davon nicht einmal träumen.

Mein eigener Erfolg geht darauf zurück, dass ich Objekte des täglichen Gebrauchs unter die Lupe genommen habe. Allgemein wurde angenommen, dass diese nicht verbessert werden können. Durch Querdenken – den Ansatz Edisons – kann man aber auf empirischem Wege zu Fortschritten kommen. Jeder kann innerhalb von sechs Monaten zum Experten für jeden denkbaren Bereich werden. Ob es nun um die Hydrodynamik von Booten oder die Zyklontechnologie von Staubsaugern geht. Ist die Idee erst einmal da, hat man viel Zeit, die Technologie auszutüfteln. Mein erster Staubsauger mit Wirbelsturmtechnologie bestand aus Cornflakes-Schachteln, die mit Klebeband zusammengehalten wurden. Das war lange bevor ich genau begriffen hatte, wie er funktionierte. Vom ersten “Ich hab’s” war es dann ein langer Weg bis zum Dual Cyclones. Was so viel heisst wie doppelter Wirbelsturm.

Dyson räumt auch mit dem Glauben auf, dass in der Welt der Technik ein ingenieurwissenschaftliches Studium für den Erfolg unabdingbar sei:

Völlig vergessen kann jeder die Vorstellung, man müsse Ingenieur mit Hochschulabschluss sein, um in der Welt der Technik etwas zu bewegen. In der Schule lag mein Schwerpunkt auf künstlerischen Fächern. In das Royal College of Art schlüpfte ich sozusagen durch die Hintertür. Dort werkelte ich eine Weile mit Holz herum und beschäftigte mich später mit Plastik. Zu einer Zeit, als dies unter Künstlern noch als barbarisch verschrien war. Schließlich driftete ich irgendwie ins Produktdesign.

Ich war überzeugt davon, dass die Ingenieurskunst nicht mehr ist als die Fähigkeit, logisch zu denken. Ich wollte die Produkte, die ich entworfen habe, nicht nur visuell, sondern auch technologisch entwicklen. Das war es, was ich unbedingt wollte.

Als Dyson mit seinem Patent in der Hand auf der Suche nach Kapitalgebern war, stieß er bei britischen Investoren auf Ablehnung und Desinteresse. Insgesamt eine fatale Entwicklung, so Dyson:

Die britische Industrie vernachlässigt sich selbst und ruiniert sich langfristig. Unsere Einstellung zu Neuentwicklungen und Designern ist von krankhaft kurzfristigem Denken geprägt. Alle schauen nur nach dem schnellen Geld. Das gilt mit Sicherheit auch für andere Länder. Darum geht es bei Technik und Design nicht. Sie sind Mittel, um ein Unternehmen langfristig zu erneuern. Und – weiter gedacht – auch ein Land. Wenn die Börsenhaie und die Banken – diese Monster, die Thatchers Revolution zu Göttern gemacht hat – sofortigen Gewinn verlangen, wird nur unsere Werbung besser. Die Produkte nicht.

Mit seinem neuesten Projekt will Dyson den Markt für Elektroautos aufmischen (Vgl. dazu: Dyson baut Fabrik für Elektroautos).

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Die Plattentektonik der B2B-Plattformökonomie mit Dr. Holger Schmidt auf warenausgang.com

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Nothing Changes: Drucker’s questions are eternal

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Was planen die Chinesen mit Kuka?

Von Ralf Keuper

Die Entlassung des langjährigen Vorstandsvorsitzenden des Roboter-Herstellers Kuka, Til Reuter, hat sowohl im Unternehmen selber wie auch in der deutschen Industrie einige Unruhe ausgelöst und offene Fragen hinterlassen. Intensiv wird nun in den Medien darüber spekuliert, was die Personalentscheidung des chinesischen Mutterkonzerns von Kuka, Midea, zu bedeuten hat. War die Grundlage für die Entscheidung nüchternes betriebswirtschaftliches Kalkül oder aber steckt dahinter eine industriepolitische Überlegung, die sich auf einer Linie mit den Vorstellungen der chinesischen Regierung befindet?

In Was Till Reuters Abgang von Kuka für deutsche Anlagenbauer und die Kuka-Aktie bedeutet schätzt man die Auswirkungen auf die weitere geschäftliche Entwicklung und die Kursentwicklung der Aktien von Kuka als gering ein. Kein Grund zur Sorge. Der AR-Vorsitzende von Kuka, Andy Gu, versuchte in einem Interview die Bedenken zu zerstreuen. Ausschlaggebend für die Entscheidung, Reuter zu entlassen, sei die im Vergleich zu den Mitbewerbern unterdurchschnittliche Performance während der letzten zwei Jahre.

Andere wiederum halten das für vorgeschoben. In Insider berichtet: Warum Kuka-Chef Reuter wirklich geht werden weitere Gründe genannt. Während der letzten Jahre hat der Kuka-Mutterkonzern Midea über Joint-Ventures und die Abwerbung des ehemaligen Europa-Chefs von Fanuc sein Know How im Robotermarkt systematisch ausgebaut.

Damit verfüge Midea über wichtige Informationen von drei der größten Roboterhersteller. Bedenkenswert sei überdies, dass Kuka in einem Joint-Venture mit Midea 400 Millionen Euro in einen neuen Roboterpark in Shunde, dem Firmensitz des Kuka-Mutterkonzerns Midea, investieren wolle. Dort sollen bis 2024 75.000 Roboter gefertigt werden; 4000 Arbeitslätze in den Bereichen Forschung und Entwicklung entstehen am chinesischen Firmensitz. Das deute darauf hin, dass ein großer Teil der Forschung nach China abgezogen und dort konzentriert werde.

In der Vergangenheit war Kuka der Liebling der Wirtschaftspresse, wie bei brand eins in Bei Weltmeistern.

Daraus:

In einer Investorenvereinbarung hat Midea zugesagt, dass bis Ende 2023 alle Jobs sowie die Konzernzentrale in Augsburg bleiben. „Die Verhandlungen waren hart, aber fair. Das Entscheidende ist, dass die Chinesen uns unser Ding machen lassen“, sagt Konzernchef Reuter. …

“Wenn Sie Kollegen fragen, werden die sagen, dass sie wenig von Midea merken. Und wir wachsen weiter. Das alles scheinen mir Zeichen zu sein, dass die Zusammenarbeit sehr gut läuft”.

Ob der ehemalige Konzernchef diese Aussage auch heute noch machen würde, ist nicht bekannt …

Der ehemalige Chef der Roboter-Sparte von Kuka, Manfred Gondel, jedenfalls ist nich ganz so zuversichtlich (Vgl. dazu: Früherer Top-Manager: “Ich mache mir Sorgen um Kuka”).

Weitere Informationen:

Kuka – Angst in Augsburg

Warum Till Reuter bei Kuka das Weite gesucht hat. Exit vor dem Exitus

Hat Kuka die Zukunft verschlafen?

Roboterhersteller Kuka: Stellenabbau in Deutschland, mehr Kapazitäten in China

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Re: Schluss mit “Made in Germany”? Chinas Run auf den Mittelstand (arte Doku)

Weitere Informationen:

Kuka in TurbulenzenWie die Träume der Hype-Branche Robotik platzen

Früherer Top-Manager: “Ich mache mir Sorgen um Kuka”

Der ganze Kuka-Krimi: Was wirklich hinter Reuters Abgang steckt

Zeitarbeiter ausgeschlossen: Unruhe im Aluwerk Unna

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Die Rolle der Metrologie für die Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft

Von Ralf Keuper

Ohne die Einigung auf Maßeinheiten wäre der globale Austausch von Gütern und Dienstleistungen nur unter hohen Kosten und großem Aufwand möglich; er würde zu Abstimmungsproblemen und Rechtsstreitigkeiten führen, die ein Geschäft schnell unattraktiv machen. Das gilt auch für das Inland. So betrachtet ist die Metrologie, die Wissenschaft des Messens, die stille Herrscherin der globalen Ökonomie. Vor der Verwirklichung unseres heutigen internationalen Einheitssystems lag ein langer Weg, der sich über Jahrhunderte hinzog, wie Felix Martin in Geld, die wahre Geschichte hervorhebt:

Die Schaffung des Internationalen Einheitensystems war daher die sichtbare und materielle Manifestation einer tiefgreifenden, aber unsichtbaren Wandlung in der Geschichte der menschlichen Ideen. Dieser Prozess dauerte Jahrhundert – vermutlich sogar Jahrtausende.

Die Bemühungen gipfelten in dem Beschuss der Generalkonferenz des Internationalen Büros für Maß und Gewicht im Jahr 1960. Darin wurden die sechs Basiseinheiten des SI kodifiziert.

Der Beschluss war der vorläufige Höhepunkt für die fortschreitende Abstraktion in Wirtschaft und Gesellschaft, so Martin:

Er war Ausdruck des Erfolgs einer schrittweisen Abstraktion im Lauf der Geschichte nicht nur, zum Beispiel von den getrennten Konzepten der Höhe von Pferden und der Größe ihrer Reiter zur Idee der Höhe im Allgemeinen, sondern von den allgemeinen Ideen der Höhe und Länge und Tiefe zum Allgemeinbegriff der linearen Ausdehnung. Er markierte nichts weniger als deinen fundamentalen Wandel der Begriffe, die die Menschheit verwendet, um die physikalische Welt zu quantifizieren.

Die zunehmende Digitalisierung, d.h. die Vernetzung von Mensch und Maschine mittels Datenübertragung in Echtzeit, stellt die Metrologie vor neue Herausforderungen. In Deutschland ist die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig die oberste Instanz bei allen Fragen des Messens. Neben dem  NIST in den USA und dem NPL in Großbritannien zählt die PTB laut Wikipedia zu den führenden Instituten der Metrologie.

In Metrologie für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft hat die PTB ihre Digitalisierungsstrategie beschrieben. Warum sich die PTB dazu veranlasst sah, geht aus den folgenden Zeilen hervor:

Messwerte, Daten, Algorithmen, mathematische und statistische Verfahren sowie Kommunikations- und Sicherheitsarchitekturen bilden die Grundlage der digitalen Erweiterung und Transformation. Somit ist die digitale Ertüchtigung der Qualitätsinfrastruktur (QI) – dem Dreiklang aus Metrologie, Normung und Akkreditierung – sowie des gesetzlichen Messwesens mit Konformitätsbewertung, Eichwesen und Marktüberwachung zentrale Voraussetzung für das Gelingen der digitalen Transformation zu einer vernetzten Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft. Der Physikalisch-Tech- nischen Bundesanstalt (PTB) als dem nationalen Metrologieinstitut obliegt dabei eine Schlüssel- rolle mit vielfältigen Zuständigkeiten und Kompetenzen.

Weiter:

Die PTB ist somit ein Eckpfeiler der nationalen Qualitätsinfrastruktur und des gesetzlichen Messwesens und hat sich zum Ziel gesetzt, für Industrie und Gesellschaft als verlässlicher Partner in der digitalen Transformation zu agieren. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die von der PTB im gesetzlich geregelten Bereich und der QI angebotenen metrologischen Dienstleistungen sowie die häufig mittelständisch organisierte deut- sche Sensor- und Messgeräteindustrie.

Angesichts der mit der fortschreitenden Digitalisierung einher gehenden Dynamik in der Wirtschaft, beabsichtigt die PTB die Schlagzahl zu erhöhen, um dadurch Alleingängen großer Unternehmen oder von Branchen vorzubeugen:

Allgemein ist die Tendenz zu beobachten, dass Firmen eher auf Kollaboration mit anderen Industriepartnern für die Entwicklung bilateraler Vereinbarungen setzen, als auf klassische Wege der Normung und Standardisierung. Als ein Grund dafür wird die Notwendigkeit des schnellen Handelns angeführt, welche sich aus dem internationalen Marktdruck ergibt. So empfiehlt die VDMA-Studie, dass Unternehmen nicht auf die Entwicklung umfassender Standards warten, sondern stattdessen zügig selbst erste Lösungen anbieten sollten. Dieser Entwicklung gilt es mit schnellen, konzentrierten, handhabbaren und flexiblen Standardisierungsvorhaben entgegenzutreten.

Hierfür halt die PTB neben der Definition von Referenzarchitekturen auch die Errichtung

cloud-basierter Angebote mit einer zentralen Instanz als vertrauenswürdigem Kern für die digitale Transformation der Prozesse im gesetzlichen Messwesen unbedingt notwendig.

Als Beispiel nennt die PTB die Modellierung und den virtuellen Messprozess beim Digitalen Zwilling.

Zentraler Baustein der Digitalisierungsstrategie der PTB ist die European Metrology Cloud.

Ihr Fundament bildet eine vertrauenswürdige Hauptmetrologieplatform in jedem Mitgliedsstaat, die dafür gedacht ist gesetzliche Verfahren durch das Anknüpfen an bestehende Infrastrukturen und Datenbanken zu unterstützen und zu vereinfachen und um eine zentrale Anlaufstelle für alle Interessenten bereitzustellen. Innerhalb dieser Qualitätsinfrastruktur, werden Referenzarchitekturen, wie z.B. innovative Messinstrument sowie auch technologisch und datengetriebene digitale Dienstleistungen des gesetzlichen Messwesens entwickelt.

Mit der European Metrology Cloud soll die Bildung des Digitalen Binnenmarkts in Europa unterstützt werden.

Die Metrologie sei überdies ein Mittel, um die Martkdominanz der großen Plattform-Unternehmen aus den USA und Asien zu begrenzen.

Die Beherrschung von Schlüsselkompetenzen in den Bereichen der Kalibrierung, IT- Sicherheit, Messtechnik und Datenanalyse ist .. die Grundlage für eine bedarfsorientierte Standardisierung. .. In den Expertendiskussionen an der PTB wurde ebenso mehrfach vor einem sogenannten „Plattformkapitalismus“ gewarnt, der durch die Marktdominanz einzelner Unternehmen entstehen kann und der nicht zuletzt KMU ganz wesentlich bedroht. Dem kann nur mit einer flexiblen und verlässlichen Normensetzung und Standardisierung begegnet werden. Dies ist insbesondere in einer globalisierten Wirtschaft von großer Bedeutung, um die Handlungsmög- lichkeiten deutscher und europäischer Unternehmen nicht durch andere globale Wettbewerber begrenzen zu lassen.

Bevor also Unternehmen wie Apple, Amazon, Google und Alibaba de facto-Standards schaffen, an denen kaum noch ein Weg vorbeiführt, sollten die Mittel, welche die Metrologie zur Verfügung stellt, ausgiebig genutzt werden – vor allem auf europäischer Ebene.

Im Internet der Dinge bzw. der Industrie 4.0 ist die Kalibrierung digitaler Zwillinge besonders wichtig:

Der „digitale Zwilling“ des Sensors wird damit automatisch aus dem digitalen Kalibrierschein generiert. Für die Entwicklung, Etablierung und breite Anwendung von digitalen Kalibrierscheinen ist es notwendig, Festlegungen über Struktur, Inhalt, erlaubte Maßeinheiten, Schnittstellen, Validität und Sicherheit der Daten- kommunikation und digitale Siegel und Signaturen zu treffen. Dabei spielen Authentizität und kryp- tografische Sicherung, beispielsweise mittels eines digitalen Signaturmanagements, eine entschei- dende Rolle.

Daraus wird deutlich, dass die Metrologie im Hintergrund dafür sorgen kann, dass Daten und andere digitale Vermögenswerte auf Basis international anerkannter Standards ausgetauscht werden können. In der Datenökonomie ist das ein entscheidendes Erfolgskriterium – jedenfalls für die deutsche und europäische Industrie, die bislang über keine großen digitalen Plattformen wie in den USA und China verfügt und damit Gefahr läuft, die Kundenschnittstelle, nachdem sie im B2C-Geschäft bereits verloren  ging, auch in dem B2B bzw. B2B2C-Geschäft einzubüßen. Eine nicht unbegründete Sorge:

The industrial IoT domain summarizes everything what is outside the classical consumer domain with a strong emphasis on B2B business. In general, there is a convergence of consumer and industrial internet. We see signs of “consumerization”, for instance, in the home market through the appearance of voice control appliances like Amazon’s Alexa or Apples Homepad. Also, it is typically the case in the automotive industry in which consumer and industrial platforms are merging the concept of connected and automated driving (in: Cognitive Hyperconnected Digital Transformation. Internet of Things Intelligence Evolution)

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